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WT: Social - Ein soziales Netzwerk im Kampf gegen Fakenews

Eva Christina Boos, 03.12.19 10:00

In Zeiten von Fakenews, Shitstorms, Hasskommentaren, Cyber Mobbing sehnen sich die Menschen nach wahren Inhalten, Quellen denen sie vertrauen können sowie nach Sicherheit vor Hetzte und Datenklau.

Die Cambridge Analytica-Affäre ist noch immer im Bewusstsein der Menschen. Damals hat Facebook - das nach wie vor größte soziale Netzwerk - Daten seiner User an Cambridge Analytics verkauft. Es waren Millionen von Nutzerdaten betroffen. Viele sind zu der Zeit bei Facebook ausgetreten und bei vielen Nutzern ist die Unsicherheit immer noch groß.

Da haben selbst die aktualisierten Datenschutzgesetze nicht geholfen, da Facebook und seine „Tochternetzwerke“ Instagram und WhatsApp ihren Sitz in den US haben. Es gibt Versprechen, dass die Beiträge gemeldet und überprüft werden, aber das Vertrauen ist gestört, denn immer mehr Menschen spüren, dass Facebook mit seinen manipulativen Mechanismen zum ‚digitalen Brandbeschleuniger’ für Hetze und Fake-News mutiert ist.

Diese „Marktlücke“ hat Wikipedia-Mitgründer Jimmy Wales entdeckt und will der „dunklen Seite“ mit seinem sozialen Netzwerk Paroli bieten. Im Speziellen nennt er hier den Social-Media-Kanal „Facebook“, dem er Konkurrenz machen will. Ob „WT:Social“ das Potenzial hat, dem „Imperium“ von Mark Zuckerberg künftig tatsächlich gewachsen zu sein, wird in diesem Beitrag beleuchtet.

Social Media: WT Social Facebook

© Pixabay/geralt

Wikipedia goes social

Das neue soziale Netzwerk von Jimmy Wales soll „WT:Social“ heißen. „WT“ steht hierbei für „Wikitribune“ und der Zusatz „Social“ für „Social Media“.

Wikitribune war seit 2017 eine Internetzeitung, bei der bezahlte Journalisten und einer Community aus freiwilligen Schreibern tätig waren. Das Ziel war hier faktenbasierte News, die auf seriösem investigativem Journalismus basierend zu publizieren. Um Fake-News zu vermeiden wurden die Beiträge vor der Veröffentlichung von der Community überprüft und gegebenenfalls korrigiert.

Die Online-Plattform läuft jetzt unter der neuen Domain „WT:Social“ und ist derzeit noch in der Aufbauphase als Social Network.

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WT:Social vs Facebook

Facebook finanziert sich bekannterweise aus Werbeeinnahmen. Dabei greift Facebook auf die Nutzerprofile zu, um anhand der Daten, besuchten Seiten, Likes und Interessen ein Profil erstellen zu können, um personalisierte Werbung gezielt und differenziert zu platzieren. Diese Daten wurden wie bekannt ist, durch Cambridge Analytica veräußert.

Nun ist Facebook trotz vieler abgewanderter Nutzer noch immer das bisher größte soziale Netzwerk. Die Plattform bekommt stets neue Funktionen hinzu und wird zunehmend zum digitalen „Alleskönner“. Von Gruppen, Live-Videos, Story-Funktionen u.v.m. gibt Facebook stets neue Anreize weiterhin Mitglied zu bleiben.

WT:Social vs Facebook

© Unsplash/ Annie Spratt

Jimmy Wales setzt dagegen: „Gefälschte Nachrichten haben globale Ereignisse beeinflusst und Algorithmen kümmern sich nur um „Engagement“ und sorgen dafür, dass Menschen von Plattformen ohne Substanz abhängig sind“. Dies ging gegen Plattformen wie Facebook, Instagram, Twitter und andere. Sie würden auf Empörung und Erregung der Nutzer setzen, um somit möglichst viele Klicks zu generieren. Dazu schrieb die ‚Frankfurter Allgemeine Zeitung’ am 12.11.2019 unter der Überschrift „Hetze im Internet : Macht sie verantwortlich!“ wörtlich:

„Das Internet selbst ist nicht das Problem, es sind Netzwerke wie Instagram, Twitter oder Facebook, deren Empfehlungsalgorithmen als Brandbeschleuniger für Hass und Hetze wirken. Sie belohnen Beiträge mit großer Reichweite, also auch solche, die populistisch oder provozierend sind. Das sorgt auf der Plattform für Bewegung und motiviert andere, es den laut Tönenden gleichzutun, um den nächsten Zustimmungs- oder Provokationstsunami zu erzeugen. Beiträge, die viel Zustimmung oder Reaktion erzeugen, sind für die Plattformen bares Geld wert. Sie übertönen Beiträge, die ambivalent sind, moderat geschrieben oder viel Zeit zum Lesen benötigen. Einen Dislike-Button gibt es nach wie vor nicht, auf keinen Fall soll sich ein Nutzer wegen eines Posts zurückgesetzt fühlen. Das Schlimmste, was einem Nutzer passieren kann, ist, nicht beachtet zu werden. Dann muss halt beim nächsten Mal ein Beitrag mehr zugespitzt werden. Es entsteht eine Rückkopplungsschleife aus populistischen oder provokanten Beiträgen, die dann auch individuell mit noch mehr Reichweite belohnt werden, wenn sie ohnehin erfolgreich sind.“

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Logisch, denn durch viele Klicks und Interaktionen wird der Beitrag und das Profil vom Algorithmus besser bewertet und wird somit wertvoller. Damit schlägt sich jeder Social Media Manager-tagtäglich herum, um sein Profil bestmöglich positionieren zu können.

Mit WT:Social will er ein soziales Netzwerk aufbauen, bei dem die Nutzer analog zu Wikipedia Beiträge erstellen und diese kollaborativ mit anderen Nutzern bearbeiten können. Beispielsweise kann jemand einen Beitrag verfassen und andere aufrufen an diesem mitzuarbeiten. Dass ein friedliches „Zusammenarbeiten“ nicht immer möglich ist, zeigt Wikipedia ebenfalls. Die sogenannten „Edit Wars“, bei dem sich die Mitglieder über den Inhalt streiten, sind weitläufig bekannt. Wie es sich in einer großen Community verhält, wird sich zeigen.

WT:Social soll komplett werbefrei bleiben und sich durch Spenden finanzieren, wie es Wikipedia teilweise macht. Nach Wales soll die Abhängigkeit von Werbeeinnahmen zu einer schlechten Qualität des Content führen.

Ebenso gab Jimmy Wales das Versprechen, niemals die Daten zu verkaufen.

Auf WT:Social sollen die Nutzer wie bei Facebook sich mit Freunde „connecten“, Beiträge schreiben und die Beiträge ihrer Freunde im Newsfeed sehen können. Welche weiteren Funktionen es geben wird, ist noch nicht bekannt.

Fazit

WT:Social spricht auf den ersten Blick alle Wünsche der Nutzer an, die nach überprüften und faktenbasierten Inhalten mit Mehrwert, Sicherheit und Relevant suchen. Ob es ein Fluchtort vor Fake-News, Hasskommentaren und Cyber Mobbing wird, wird sich herausstellen. Ebenso bleibt abzuwarten, ob es seine Versprechen hält, dass die Daten sicher sind und keine verzerrten und manipulativen Inhalte durch Kommerzialisierung entstehen, bleibt abzuwarten. Wird WT:Social der neue Stern am Social Media Himmel?

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