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Wie ich mit Digitalexperten erfolgreich arbeite

Ole Eric Barber, 04.10.18 10:08

Vor kurzem traf ich einen alten Freund. Marketing- und Vertriebsexperte, Mitte 50, Berufsausbildung, Studium, erfolgreiche Laufbahn und seit vielen Jahren in verantwortungsvoller Position im Mittelstand als Führungskraft tätig. Als wir vor mehr als 25 Jahren unsere Laufbahn in Werbeagentur und Marketingabteilung starteten, war die Werbewelt noch einfach – so scheint es jedenfalls heute.

Im Rahmen der Regionalwerbung buchte man lokale Printtitel, vielleicht eine flankierende „Wildplakatierung“ – heute out of home – und ließ gezielt Handzettel an Haushalte verteilen. Und wenn man richtig hohe lokale und regionale Reichweiten brauchte, dann buchte man einen der neuen privaten Radiosender dazu. Ganz einfach. Ok – ich habe das jetzt sicherlich im altersmilden Rückblick sehr vereinfacht wiedergegeben. Eines aber stimmt: Die Werbe- und Vermarktungswelt war einfacher, klarer und übersichtlicher.

Mit Digitalexperten erfolgreich arbeiten© Pixabay

Spätestens seit dem Erfolg von Social-Media-Plattformen und dem damit verbundenen, geänderten Mediennutzungsverhalten haben sich die Anforderungen an Marketer dramatisch verändert. Altes Wissen schadet nicht, aber neues Wissen ist unabdingbar. Genauso wie eine gemeinsame Sprache, die beide Seiten verstehen: die alten, erfahrenen Generalisten auf der einen Seite, die jungen, wilden Digitalexperten auf der anderen. Besonders deutlich wurde mir das, als ich mich mit meinem alten Freund über ein aktuelles Projekt unseres Hauses unterhielt.

Hipster-Typen und der Internet-Hype

Ich sprach und er hörte zu. Wir sprachen über beinahe alle Themen, die die Branche seit einiger Zeit umtreibt – und es fielen viele Buzzwords: SEO, Website, Streaming, Sprachassistenten, Podcast, Micro Influencer, Kampagnen-Tracking, Bildformate, Inbound Marketing, Blogbeitrag, Social Seeding, Bewegtbild-Marketing, Community, Youtube, Instagram, Snapchat, Follower, Shares, Likes … Hier stoppte mich mein Gesprächspartner. Er konnte mir nicht mehr folgen: Überhaupt nerve ihn der Internet-Hype und die oberschlauen Hipster-Typen. Wow – das saß. Wer mich kennt, würde mich wahrscheinlich nicht als Digital-Hipster sehen. Mein Zuhörer jedenfalls hatte schon mitten in meinem spontanen Vortrag gedanklich abgeschaltet. Das hatte ich in meiner Begeisterung fürs Digitale aber nicht bemerkt.

Die Frage hinter dem Problem lautet: Wie soll man sich das ganze digitale Fachwissen auch noch aneignen – neben dem Tagesgeschäft, bei überquellenden Postfächern, endlosen Telefonaten und Dienstreisen? Wie geht man damit um, wenn einem die vielen neuen Tools im privaten Umfeld gar nicht begegnen?

Mein Lösungsvorschlag wäre, diese Frage aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten: Wie erfolgreich sind wir mit den bestehenden Werbemaßnahmen? Und inwiefern erreichen wir damit unsere Zielgruppen? Wenn die Antwort eher nein lautet, sollte man seine Strategie anpassen.

Wissenstransfer für Führungskräfte

Doch zurück zur Frage des Wissenstransfers für gestandene Führungskräfte: Das Entscheidende im Arbeitsalltag ist das Themen sichten, das Ausprobieren und das Anwenden. Das gilt auch für digitale Kommunikationsthemen. Auch wenn man vielleicht anfangs den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht: Mit der Zeit wird die Sicht klarer; relevante Themen kristallisieren sich heraus. Das sollten sie auch, denn die neuen Medien spielen eine entscheidende Rolle bei den nachrückenden, jungen Konsumentengruppen. Und wir müssen mit unseren Botschaften dorthin, wo der Kunde und der potenzielle Kunde sich medial aufhalten. Wir müssen uns und unser Know-how anpassen, um im Wettbewerb um Kundenkontakte auch zukünftig erfolgreich bleiben zu können.

Die Voraussetzung für Erfolg sind auch hier kompetente Mitarbeiter. Und die persönliche Bereitschaft und der Wille, die neuen, digitalen Kommunikationsmöglichkeiten auszuprobieren und zu lernen.

Ein Beispiel: Setzen wir mal eine erfolgreich durchgeführte Finanzierungs- und Recruitingphase für einen neuen Digitalexperten als erledigt voraus – was dann? Oft sitzt ein junger, dynamischer Social-Media- oder Online-Marketing-Manager vor einem 50plus- Entscheider – und beide sprechen nicht die gleiche Sprache. Hier ist natürlich nicht Deutsch oder Englisch gemeint, vielmehr geht es um unterschiedliche Denkweisen und Begriffe. Wissen Sie etwa, was es beispielsweise mit der neuen API-Schnittstelle in Whatsapp und ihrer digitalen Werbeaussteuerung auf sich hat? Ja? Prima – dann kennen Sie sich aus. Dann können Sie jetzt aufhören zu lesen.

Nachfragen ist nicht peinlich

Ich hingegen müsste nachfragen. Und genau das tue ich, auch in größerer Runde. Mir ist keine Frage peinlich. Ganz im Gegenteil: Ich freue mich darauf. Denn so lerne ich dazu – und meine jungen Kollegen ebenfalls, nämlich die erfolgreiche Zusammenarbeit mit mir, dem Chef aus der Generation 50plus. Mit der verständlichen Beantwortung solcher und ähnlicher Fragen wächst das beiderseitige Wissen und Verständnis für die jeweiligen Arbeitsbereiche.

Als Generalist muss ich nicht jedes Detail begreifen. Aber ich will das große Ganze verstehen. Will wissen, was uns die betreffende digitale Werbemaßnahme an Kontakten, an Leads bringt. Was es kostet und welche Alternativen es gibt. Wenn ich das verstanden habe, dann kann ich eine Entscheidung treffen und meine Digitalexperten machen lassen. Oder stattdessen die digitalen Aktivitäten in andere Bahnen lenken. Auf jeden Fall aber müssen sich erfahrene Manager auch weiterhin persönlich mit neuen Themen der digitalen Kommunikationschancen beschäftigen. Das ist die Voraussetzung für die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Digitalexperten in der Werbewirtschaft.

Woher weiß ich, welche digitalen Themen für mich relevant sind?

Die Antwort lautet: Indem ich mich schlau mache. Deshalb kommt hier meine ganz persönliche Hitliste für den digitalen Wissenstransfer:
 
  1. Newsletter lesen
  2. Podcasts hören
  3. Studien lesen
  4. Fachvorträge besuchen
  5. Webinare/Schulungen besuchen
  6. Kunden/Geschäftspartnern/Mitarbeitern/Konsumenten aktiv zuhören

Eigentlich keine Raketenwissenschaft, oder? Mein Favorit sind die persönlichen Gespräche mit unseren Geschäftspartnern und Mitarbeitern. Und Podcasts, die ich viel auf Reisen im Zug oder im Auto höre. Hier wechsle ich viel, je nach Lust und Laune. Aktuell höre ich den OMR-Podcast oder Eine Stunde was mit Medien von Deutschlandfunk Nova.

Aber gerade auch Newsletter geben mir die richtigen Impulse. Bei mir aktuell im Verteiler sind u.a. die Newsletter von Horizont, Marketing Börse oder Turi2.

Fazit

Mit Neugierde, Offenheit und der Lust am Ausprobieren und Lernen werden auch alte Weggefährten aus Marketing und Werbung den digitalen Wandel aktiv mitgestalten. Mit kompetenten, jungen Experten an ihrer Seite ganz sicher. Der Zeitaufwand dafür ist zu handhaben, wenngleich Investitionen in zusätzliches Personal vielerorts sicherlich notwendig sind. Doch die eigentliche Herausforderung ist die persönliche Haltung zum Wandel: Man muss ihn wollen! Dann wird peu à peu auch das digitale Wissen wachsen. Der Spaß an der täglichen Arbeit mit dem Erfolg auch. Ganz sicher. In diesem Sinne frei nach Goethe: Gutes hat drei Buchstaben: T – U – N.

:MarketingDigitale Transformation
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