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Was den eSport für Werber interessant macht

Michael Merx, 15.05.19 10:00

Haben Sie sich auch schon über die Tänzchen des französischen Fußballweltmeisters Antoine Griezmann nach Torerfolgen gewundert? Falls ja, sind sie wahrscheinlich älter als 30 und schauen sich Sport eher klassisch, beispielsweise in der „Sportschau“ an. Vielleicht haben sie aber Kinder und kennen durch sie das Phänomen Fortnite. Kinder und Jugendliche spielen dieses Koop-Survival-Game – und kennen von dort die Gesten von Antoine Griezmann. So verschmilzt Virtualität mit Realität. Übrigens: Diese jungen Menschen schauen heute schon öfter eSport-Streaming-Angebote als „Sportschau“ oder das „Aktuelle Sportstudio“ im linearen Gebühren-TV.

Was den eSport für Werber interessant macht© pixabay

Wenn sie also Produkte haben, mit denen sie junge Zielgruppen zwischen 14 und 29 Jahren erreichen wollen, die überwiegend männlich sind, gut gebildet und auch noch überdurchschnittlich verdienen, dann ist Marketing mit eSport sicher ein Baustein, um den viele nicht mehr herum kommen. Und die Akzeptanz für Werbung ist, wenn sie richtig gemacht und platziert ist, erstaunlich hoch. 62 Prozent der Besucher der Spielemesse Gamescom  beispielsweise akzeptieren in diesem Umfeld Werbung. Am besten funktionieren die Branchen Unterhaltungselektronik, Streaming-Anbieter und Musik. Aber auch Werbung für Soft-Drinks, Snack und Fast-Food kommt an. Und dass auch die Werbung auf mobilen Endgeräten immer weiter boomt, kommt dem Thema eSport zugute. Das wichtigste Gerät für die Zocker ist inzwischen das Smartphone, das damit den PC abgelöst hat.

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Toan Nguyen, eSports-Experte der Agentur Jung von Matt, glaubt gar an die olympische Zukunft der Gamer:

„eSport ist in 47 Ländern schon als Sport anerkannt. Bei den Asia Games gab es 2018 schon Show-Disziplinen und eSport soll 2022 sogar schon als Medaillen-Disziplin im Programm sein. Die mechanische Komponente, auf die ja immer für eine Einstufung als Sport gepocht wird, ist auf jeden Fall da, wenn man sich mal anguckt, was die Jungs da mit Maus und Tastatur anstellen. Gerade in Deutschland ist man aber oft noch kritisch und ich denke es wird noch ein weiter Weg, bis das Denken überall ankommt, Asien ist da eben auch Vorreiter. eSport ist aber im Status Quo nicht olympisch und auch so sehr erfolgreich. Es ist ein bisschen die Frage, ob Olympia nicht vielleicht eines Tages eher auf eSport angewiesen sein wird als umgekehrt.“

Wenn sich die ESL (Electronic Sports League) trifft, um ihre Meister zu küren, dann verfolgen das bis zu 27 Millionen Gamer. Die League of Legends kommt bei ihren Meisterschaften gar auf bis zu 60 Millionen Viewer weltweit. Zwar rechnen die Experten mit einem Umsatzwachstum bis 2020 auf bis zu 130 Millionen Euro in Deutschland, viele sehen in den Investitionen aber immer noch eine Wette auf die Zukunft. Denn die Szene ist stark fragmentiert in verschiedene Clans, verschiedene Ligen und natürlich auch in verschiedene Games, von denen niemand weiß, wie lange ihre jeweilige Halbwertszeit in Sachen Beliebtheit bei den Fans tatsächlich ist. Das alles macht es schwierig, ein richtiges Marketing-Konzept für den Einstieg in die eSport-Szene zu finden. Hinzu kommt: Fehler werden von den Gamern gnadenlos bestraft und sind unverzeihlich.

eSports-Experte Toan Nguyen sagt: „Ich denke, eSport ist branchenübergreifend eine spannende Plattform. Es muss sich nur jede Marke selbst fragen, was Ihr Platz im eSport sein könnte und welchen Mehrwert sie der Community bieten kann, statt einfach nur irgendwo ihr Logo drauf zu kleben. Das sollte zumindest ihr eigener Anspruch sein. Naheliegende Branchen sind natürlich Telko-Brands und auch Airlines, da sie das natürliche Lebensumfeld der Teams abbilden. Top-Teams sind mehrere Wochen, fast Monate im Jahr auf den großen Plätzen der Welt zuhause. Aber auch Ausrüster wie adidas, Puma & Co. wären logische Partner. Zum einen tragen die Teams Trikots und zum anderen wächst der Merchandising-Bereich auch im eSport stark.“

Die Experten sagen: Mache deutlich, dass du die Branche, einen Spieler, ein Turnier oder ein Event mit deinem Engagement besser machen willst. Denn das kommt bei der Zielgruppe der Gamer gut an. Dabei kann es auch ganz klassisch zugehen: Logo und Branding auf den diversen Plattformen per Banner, Werbespots, Produkt Placement und Co. sind im Moment noch vergleichsweise günstig zu haben. Wer es exklusiver will investiert in ein Turnier, in einen eSport-Spieler oder gleich in ein ganzes Team. Diese wirken dann, wenn sie geschickt platziert werden, wie Influencer auf ihre Marke und ihr Image.

Fazit:

eSport hat die Schmuddelecke längst verlassen und wird mit einer Zielgruppe, die sonst schwer erreichbar ist, immer spannender für Werber. Und das nicht nur für große Unternehmern: Auch der Mittelstand kann damit immer besser punkten.

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