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Profitipps von einem Podcast-Veteranen

Michael Grubert, 17.12.19 10:00

Podcasts sind nach wie vor ein Megatrend in diesem Jahr. Im kommenden Jahr wird sich daran auch nichts ändern. Ich hatte das Vergnügen mit Dominik Hammes ein echtes Podcast-„Urgestein“ zu interviewen. Er berichtet über seine Erfahrungen, die Entwicklung der letzten Jahre und natürlich über den Podcast-Trends.

Profitipps von einem Podcast-Veteraten© Photo by Fernando Lavin on Unsplash

 

Herr Hammes, Sie produzieren seit mehr als zehn Jahren Podcasts. Was war denn Ihre Motivation selber einen Podcast zu machen?

Als Kevin Körber und ich uns 2009 das erste Mal zu einer Aufnahme der MedienKuH zusammengefunden haben, war die Podcast-Landschaft gerade in Deutschland noch eine sehr kleine und unaufgeregte Szene. Unser Antrieb war damals sicherlich ein ähnlicher wie der, der allen Medienproduktionen zu Grunde liegt: Der Wunsch gehört zu werden und Dinge zu thematisieren, die einen selbst interessieren. Da wir Beide unseren beruflichen Start bei der ersten Iteration von NBC GIGA, also im Dunstkreis von TV und Internet hatten, war es für uns vielleicht nur ein weiterer Weg um "Irgendwas mit Medien" zu machen. Dass uns bei einem Podcast niemand reinredet und wir uns Stück für Stück entwickeln können, ohne dass uns der Hahn zugedreht wird, war ein zusätzlicher attraktiver Anreiz.

Was hat sich denn im Vergleich zu damals geändert?

Podcast-Jahre sind ein wenig wie Hundejahre. Vor zehn Jahren bestand die Podcast-Szene thematisch aus sehr viel mehr Technologie- und Computer-Podcasts (sowohl Macher, als auch Hörer mussten die Technik damals besser verstehen, da ergibt sich das von allein), weniger Selbstdarstellern (da schließe ich mich nicht aus) und im Allgemeinen aus weniger Podcasts, und weniger Hörern. Hinzu kam ein ziemliches Unverständnis des Mediums auf vielen Seiten. Viele Radiomacher, die seit Jahren geschult sind kompakt und fehlerfrei zu produzieren, die Aufmerksamkeitsspanne der Hörer zu „schonen“ und keine Längen entstehen zu lassen, sahen sich dem Gegenteil gegenüber, Vermarkter schüttelten nur mit dem Kopf.

Statt eines Podcasts bin ich neben der „MedienKuH“ mittlerweile an drei weiteren Podcasts beteiligt: an „Anytime Late Night“, „Club 19“ und am dicken Schlachtschiff „Radio Nukular“. Dazwischen gab es auch zwei Staffeln eines Serien-Podcasts für Funk, dem jungen Digitalangebot von ARD und ZDF. Mit „Radio Nukular“ und der „Anytime Late Night“ haben wir auch mehrere Live-Touren und einzelne Live-Auftritte absolviert.

Die gesamte Podcast-Landschaft hat sich weiterentwickelt. Heute machen Radiomoderatoren mindestens nebenbei Podcasts, Medienhäuser, Streaming-Dienste und Politiker sind ebenfalls dabei. Den landläufigen Witz über den lokalen Schachclub mache ich an der Stelle nicht, die hatten auch früher schon eher einen Podcast. Das Besondere ist wie sich große Anbieter wie Spotify und die Amazon-Tochter Audible in Position gebracht haben. Gerade Spotify hat sich für die breite Masse als die Podcastplattform schlechthin positioniert, seit sie den wohl bekanntesten deutschen Podcast „Fest & Flauschig“ exklusiv an sich binden konnte und auch weiter erfolgreiche Produktionen exklusiv bei sich unterbringt – wie kürzlich „Gemischtes Hack“,. Dem entgegen stehen natürlich Podcaster der ersten Stunde (also auch definitiv vor mir), die die Definition „Podcast“ sehr streng auslegen und denen an Dienst-gebundene oder hinter eine Paywall gepackte Audioproduktionen – womöglich noch ohne RSS-Feed – so sehr missfallen, dass sie ihnen den Podcast-Status ganz absprechen wollen.

Was unterscheidet aus Ihrer Sicht einen Podcast von anderen Medien?

Podcasts sind ein „wasserreines“ Internetmedium im Sinne der Demokratisierung der Produktionsmittel. Genau wie ein Blog, kann ein Podcast alles sein was die Betreiber möchten. Hörspiel, Kunstperformance, Kollegengespräch, Interview, Dokumentation, Nachrichten, Monolog oder Quizshow. Auch Mischformen und fließender Übergang vom einen zum anderen sind denkbar und werden nicht von allen als störend empfunden, da es bei Podcasts noch keine über Jahrzehnte verfestigte Erwartungshaltung gibt. Das verleiht dem Medium bis heute etwas Spannendes. Da sich die meisten Podcasts auf eine recht persönliche Art entwickelt haben ist man auch stets – Achtung Radiophrase – nah dran am Hörer.

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Was sind die Podcast-Trends?

Podcast-Jahre sind ein wenig wie Hundejahre, wenn es um Trends geht. Schnell werden Lücken entdeckt und oft auch sehr schnell geschlossen. Leider ist das Medium immer noch zu sehr von Männern dominiert. Gleichzeitig schaut man sich natürlich Trends an: True Crime war ein Hype der für mich so schnell kam wie er wieder ging aber gleichzeitig verschwinden diese Trends auch nicht wirklich. Podcasts bleiben ja günstig in der Produktion und die Hörer sind verhältnismäßig treu.

Ein Trend, von dem ich nicht abwarten kann, dass er endlich in Deutschland mehr Fahrt aufnimmt, ist der des Fiction-Podcasts. Aber da muss ich mir auch selbst an die Nase fassen, nicht aktiv genug zu sein.

Sie haben schon einige Podcasts erfolgreich gestartet, wie ist denn der Ablauf und was ist aus Ihrer Sicht besonders wichtig?

Obwohl ich traditionell eher chaotisch arbeite, sollte man einen Plan haben. Insbesondere, wenn man noch keine Mikrofonerfahrung hat und mit den Kollegen noch nicht so gut eingespielt ist, lohnt es sich, Stichpunkte, Struktur oder wenigstens eine Art To-Do-Liste zu haben. Außerdem muss man sich im Klaren darüber sein, dass man heute mit einem anderen Anspruch der Hörer konfrontiert ist als wir es im Jahr 2009 noch waren.

Vom Start weg sollten alle technischen Fragen, wie Hosting, Mikrofone, Software, Schnitt etc. geklärt sein, damit man nicht in’s Stolpern gerät.

Welches Equipment nutzen Sie und worauf sollten Einsteiger besonders achten?

Über die Jahre hat sich da Einiges angesammelt, wovon man zurecht sagen könnte: Das ist nicht notwendig. Mittlerweile gibt es hervorragende USB-Mikrofone zu erschwinglichen Preisen und mit wenig Grundrauschen, Software gab es schon immer gratis. Ich mache aber kein Geheimnis daraus, dass ich mit Hindenburg schneide und das auch uneingeschränkt empfehlen kann. Besonders achten sollte man auf Durchhaltevermögen. Nur Ausnahmeproduktionen werden von heute auf morgen erfolgreich, das gilt hier genauso wie überall sonst. Vielleicht hat man sich erst nach 20 Episoden eingespielt, vielleicht wächst man den Hörern erst dann ans Herz. Das Produzieren selbst sollte schon so viel Spaß machen, dass man dabeibleiben will.

Welche Podcasts hören Sie denn aktuell?

Ich höre eigentlich nur englische Podcasts. Das ist kein Urteil über die Qualität der deutschen Podcasts sondern pures kulturelles Interesse. Den Nachrichtenpodcast „The Intelligence“ höre ich sporadisch, wenn die Themen interessant sind. Den Interview-Podcast „Full Disclosure“ je nach Gast. Gelegentlich „Lore“ und immer mal wieder Podcasts von Kevin Smith.
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