Blog_Vero_EB2

Vadira Blog

Händler vs. Amazon

Michael Merx, 10.04.19 10:00

Der Kampf gegen Amazon hat begonnen

Wie konnte der kleine David den riesigen Goliath besiegen? Klar, mit viel Mut, aber auch mit Intelligenz und vor allem mit Technik! Die Steinschleuder hat den biblischen Riesen erlegt. In der digitalisierten Neuzeit wirken die Händler wie der kleine David und Amazon ist der (Online)-Riese. Doch die Händler brauchen wie einst David nur Mut, Intelligenz und viel Technik. Dann können sie den Kampf gegen den Online-Giganten aufnehmen und das eigene Überleben sichern.

Und tatsächlich: Der Mut zum Widerstand wächst. Immer mehr Händler haben erkannt, dass sie sich im Kampf gegen Amazon verändern müssen und neue Strategien notwendig sind, um diesen Kampf ums Überleben gewinnen zu können. Die Steinschleuder von David wird in der Hand der Händler zu Software. Intelligente Lösungen, wie von Microsoft, SAP und Co, entstehen im Zusammenspiel mit den Händlern. Im Mittelpunkt steht immer die Frage nach der optimierten Nutzung der Daten, um Abläufe im Verkaufsprozess und in der zielgruppengenauen Kundenansprache optimieren zu können. Zwei Drittel der Händler in Deutschland wollen nach einer Studie des Handelsforschungsinstituts in diesem Jahr ihre IT-Budgets erhöhen. Das sind dann rund 1,5 Prozent des Umsatzes und ergibt bei den 90 größten Händlern eine Gesamtinvestitionssumme von 10 Milliarden Euro im Jahr 2019.

Haendler vs. Amazon© pixabay

Doch, wie so oft, sind die Handelsriesen in den USA einen Schritt weiter. Beispiel: Die Supermarktkette Kroger. An den Verkaufsregalen laufen Videos in Streifen. Darauf sind Produktinformationen zu sehen und das Preisschild ist integriert. Per App kann der Kunde eine Einkaufsliste erstellen, beim Gang durch die Regale zeigen ihm Smileys, wo sein gewünschtes Produkt zu finden ist. Kameras und Sensoren messen, welche Produkte nachbestellt werden müssen und die Warenbestellung ist per Software automatisiert. Auf Wunsch können Sie per App auch bezahlen. Doch damit nicht genug: Kameras registrieren, welche Produkte der Kunde beim Gang durch die Regale beobachtet und welche nicht. Kroger kann so per Knopfdruck unbeliebte Produkte schnell billiger machen. Auch beim nahenden Ablauf des Haltbarkeitsdatums, können die entsprechenden Produkte billiger angeboten werden. So ist ein smartes Regal entstanden, das alle Daten aus allen Stores vernetzen kann.

Mehr Beiträge zu aktuellen digitalen Trends und Themen erhalten Sie auch in unserem Newsletter

Im Mittelpunkt im Kampf gegen Amazon stehen also intelligente Softwarelösungen mit datenbasierten Cloud-Angeboten. Der große Vorteil: Haben früher große Veränderungen zum Teil Monate und Jahre gedauert, können jetzt bisherige Systeme mit den neuen Lösungen in wenigen Tagen kombiniert werden. Die Schnelligkeit der möglichen Modernisierung hat extrem zugenommen. Schnelligkeit und Effizienz sind die Schlagworte in der Auseinandersetzung mit Amazon. Das haben nun auch in Deutschland einige Unternehmen erkannt. Bei Karstadt gibt es elektronische Preisschilder mit Produktinfos. Damit können beispielsweise auch Rabattaktionen zentral per Knopfdruck ausgesteuert werden. Es gibt in einigen Stores intelligente Umkleidekabinen, die den Kunden Produktvorschläge unterbreiten. Es gibt erste Roboter, die den Kunden durch den Laden führen. Bald soll es auch in Deutschland einen ersten Pilotversuch mit dem smarten Einkaufswagen geben. Dabei vernetzt sich ein Display am Wagen per Bluetooth mit dem Smartphone. Die Einkaufsliste kann übertragen werden und das Display führt zielgerichtet zur gewünschten Ware. Den Gang zur Kasse braucht es dann auch nicht mehr, weil ein mobiles Pay-System integriert ist. Der Hersteller verspricht, dass alle Daten immer nur lokal auf dem Smartphone bleiben und der vernetzte Einkaufswagen keine Daten über das Einkaufverhalten der Kunden speichert.

Die Nachfrage nach technischen Lösungen ist enorm. 36 Prozent aller Händler verfügen nach Angaben des Handelsforschungsinstituts bereits über elektronische Preisschilder, 25 Prozent planen die Anschaffung ähnlicher Systeme. Doch diese Lösungen sind teuer und stellen insbesondere den Mittelstand vor teils unlösbare Aufgaben. Hier braucht es im Kampf David gegen Goliath neben der (teuren) Technik vor allem Mut und Intelligenz. Mut macht eine Zahl: Im vergangenen Jahr hat Amazon zehn Prozent weniger Bücher online verkauft. Der stationäre Buchhandel hat also etwas richtig gemacht. Spitz schlägt breit: Intelligenz braucht es, wenn Sie das verinnerlicht haben. Amazon kann nicht zu jedem Produkt eine gute Geschichte erzählen. Sie können das. Sie sind näher dran am Kunden und die Kontaktaufnahme ist einfacher. Natürlich müssen auch Lieferzeiten, Umtauschmodalitäten und Kundenservice einigermaßen mithalten können. Wenn das alles passt, dann sind Sie ein David im Kampf gegen den Amazon-Goliath.

Vadira Newsletter

:E-CommerceDigitale Transformation
Diesen Artikel weiterempfehlen