Vadira Blog

Hackathons - Was hat modernes Recruiting mit Hack und Marathons zu tun?

Hanna Büßecker, 16.09.19, 10:00

Auch dieses Jahr findet Ende September zum fünften Mal eines der größten und angesehensten Hackathons Europas statt. Das HackZurich ist mit mehr als 550 TeilnehmerInnen aus über 60 verschiedenen Städten das größte Event Europas in diesem Bereich. Ein Wochenende lang tüfteln Entwickler, Designer, Programmierer und IT-Affine an verschiedenen Softwareentwicklungen und Prototypen. Im vergangenen Jahr belegte die neuentwickelte Online-Anwendung Deepbuster, mit der Internet-Videos auf ihre Echtheit überprüft werden können, den ersten Platz. Was genau haben diese Veranstaltungen mit Hack und einem Marathon zu tun? Woher kommt die Bezeichnung?

Hackathons© Alex Kotliarskyi / unsplash.com

Hackathon: Das verbirgt sich hinter dem Neologismus

Hackathons haben weder mit Hackfleisch noch mit Marathonlaufen zu tun. Die Bezeichnung für die mittlerweile weitverbreiteten IT-Veranstaltungen ist eine Wortneuschöpfung aus den beiden Begriffen „Hack“ und „Marathon“. Weitere Begriffe sind „Hackfest“, „Codefest“ oder „Hack Day“. Im Rahmen der Wettbewerbe geht es jedoch weniger um das gemeinschaftliche Eindringen in Computersysteme und die Überwindung von Sicherheitssystemen. Vielmehr steht kollaborative Zusammenarbeit an Softwarelösungen und Prototypen im Fokus – im Wettbewerb mit andern Hacker-Teams. Fast jede Stadt Deutschlands ist mittlerweile Austragungsort für Hackathons. Der „Leipzig Retail Hackathon“, der „Kreathon“ in Krefeld und der „Osna Hack“ in Osnabrück  sind nur einige Beispiele.

Die Hackathons lassen sich dabei nicht nur nach ihrem Veranstaltungsort untergliedern, sondern auch nach konkreten Zielen und Vorgaben. Beim Health Hack in Braunschweig dreht sich beispielsweise alles um kreative Lösungen im Gesundheitswesen. Das Kultur Hackathon im Ruhrgebiet mit dem Titel „Coding da Vinci“  lädt Interessierte dazu ein, anhand von Museums- und Archiv-Daten innovative Anwendungen und Ideen zu entwickeln. Bei den Veranstaltungen kommen Programmierer, IT-Entwickler sowie Grafik- und Webdesigner zusammen und arbeiten meist zwei bis drei Tage lang intensiv an der Entwicklung neuer Soft- und Hardware.

Hackathons

Hackathons
 

 

 

 

© Santos / unsplash.com                                                                                     ©  Ilya Pavlov / unsplash.com

„Hack Day“ und Personalgewinnung – Wie passt das zusammen?

Es stellt sich die Frage, was Programmieren mit Recruiting zu tun hat. In diesem Zusammenhang sollten vor allem Personaler, die sich über Fachkräftemangel beschweren, aufmerken. Denn während die Klagen über fehlende IT-Spezialisten immer stärker werden, können Hackathons helfen – und gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Manche Hackathons haben feste Vorgaben und Regeln und verfolgen ein ganz bestimmtes Ziel. Wiederum andere haben das Thema Tourismus im Mittelpunkt. Auch Hackathons für ausschließlich weibliche TeilnehmerInnen gibt es. Beim Stupid Hackathon in New York werden einen ganz Tag nur Dinge erfunden, die niemand braucht. Das Ergebnis sind dann zum Beispiel 3D-Brillen, die dem Träger alles anzeigen, was hinter ihm passiert. Das führt zu Endrücken und Gefühlen, die einem Vollrausch ähneln. 

Für Personaler ist es zunächst unwichtig, welches Ziel ein Hackathon verfolgt. Da auf Hackathons vorwiegend IT-affine Personen anzutreffen sind, können Unternehmen solche Events zum ungezwungenen Netzwerken nutzen und gleichzeitig Ausschau nach potenziellen Talenten halten. Neben der Talentsuche können Hackathons Personalern in einem weiteren Bereich unterstützen: In Branchen, wo die Herausforderung weniger im Fachkräftemangel besteht, sondern im Finden einer passenden Software oder beim Transformieren von Ideen in adäquate Software.

Hackathons

© rawpixel / pixabay

Revolutionierung des IT-Recruitings oder unnötiger Hype?

Große Firmen wie SAP, IBM oder Bosch haben die Vorteile der Hackathons längst für sich erkannt und engagieren sich als Ausrichter der Events. TeilnehmerInnen von „Codefesten“ sind in der Regel sehr technikaffin und bringen viel Know-how mit. Sie brennen für den IT-Bereich. Bei der Teamarbeit oder auch einzeln erhalten Unternehmen quasi direkt eine Arbeitsprobe der potenziellen KandidatInnen und erlangen einen Eindruck, wie künftige ArbeitgeberInnen arbeiten und welche Skills vorhanden sind. Für die künftigen ArbeitnehmerInnen hat das den Vorzug, dass sie Unternehmen von Ihren Fähigkeiten und arbeitsbezogenen Qualitäten direkt überzeugen können und der ein oder andere Ausreißer auf dem Papier wettgemacht werden kann. Gleichzeitig haben ArbeitgeberInnen die Möglichkeit, den Kandidaten auf eine ungezwungene und ehrliche Art zu zeigen, wie sie ticken – und welche Strategien und Arbeitsweisen im Unternehmen vorherrschen.

Lesen Sie mehr in unserem Whitepaper "Digital Recruiting und Personalbeschaffung"

Unternehmen, die weniger bekannt sind als beispielsweise IBM, sollten unbedingt über die Organisation eines Hack-Fests nachdenken. Gerade kleine Unternehmen und fachfremde Sektoren wie Banken können sich mit Hackathons profilieren. Denn dort können sie zeigen, dass sie nicht nur traditionelle Recruiting-Kanäle nutzen, sondern auch innovative Methoden ausprobieren. So werden Berufsgruppen auch über Ländergrenzen hinweg angesprochen, die sonst nicht auf das Unternehmen aufmerksam geworden wären.

Hackathons© Vincent Chan / unsplash.com

So wird Ihr HR-Hackathon ein Erfolg

Wenn ein mittelständisches Stahlverarbeitungsunternehmen seine Zielgruppe auf sich aufmerksam machen und kommunizieren will, dass es ein innovativer Arbeitgeber ist, bietet es sich durchaus an, an einem Hackathon teilzunehmen. Das Unternehmen signalisiert damit, dass es IT-Affine benötigt, um spannende Projekte voranzubringen. Es kann auch ein Schritt weiter gegangen werden und eigenständig ein Codefest auf die Beine gestellt werden.

Doch Vorsicht ist geboten: Recruiter, die Hackathons als Plattform für aggressive Active-Sourcing-Maßnahmen nutzen, sind fehl am Platz. Wenn Sie permanent damit beschäftigt sind, Nachwuchskräfte anzusprechen, erzeugt das schnell einen gegenteiligen Effekt bei den Wunschkandidaten – und aus dem eigentlichen Pull-Prinzip wird ein Push-Prinzip.

Die Hauptintention des Events – das gemeinsame Programmieren und Entwickeln – sollte im Kopf der Personaler immer präsent sein. Eine entspannte und ungezwungene Atmosphäre ist oberste Priorität. Es können erste Kontakte geknüpft werden, und aktives Networking mit ITlern ist durchaus legitim. Jedoch gilt die Devise „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“.

Lesen Sie mehr in unserem Whitepaper "Digital Recruiting und Personalbeschaffung"

9 Fragen, die sich jeder Personaler vor Umsetzung eines HR-Hackathons stellen sollte

Zunächst ist das Wissen über den Ablauf eines HR-Hackathons essenziell. Meistens verlaufen diese in drei Phasen:

  1. Entwicklung von Ideen, die neu und ungewöhnlich sind und sich mit Technologien umsetzen lassen.
  2. ITler, Webdesigner, Programmierer und weitere TeilnehmerInnen des Hackathons arbeiten während des gesamten Hack Days an der Kreation eines Prototyps.
  3. Abschließend wird die Umsetzung des Prototyps in einem Pitch präsentiert.

Damit diese Phasen möglichst ergiebig für Ihr Unternehmen sind, sollten Sie sich im Vorfeld Gedanken über folgende Fragen machen:

  • Welche Änderungen unserer IT-Architektur oder einer bestehenden Software stehen in naher Zukunft an?
  • Welche Skills der TeilnehmerInnen sind hilfreich?
  • Wie erreiche ich meine Zielgruppe und bewege sie zu einer Teilnahme an meinem HR-Hackathon?
  • Welche Benefits erhalten die IT-Kräfte bei einer Teilnahme am HR-Hackathon?
  • Wie soll der Wettbewerb inhaltlich gestaltet werden?
  • Welche Räumlichkeiten sind gut dafür geeignet? Was muss bei der Versorgung der TeilnehmerInnen beachtet werden?
  • Gibt es unternehmensinterne ExpertInnen, die bei der Event-Gestaltung Input liefern können?
  • Welche budgetären Mittel stehen zur Verfügung?
  • Welche Instrumente helfen dabei, den Erfolg meines HR Hackathons zu überprüfen?

Fazit

Diese Fragen helfen vor der Planung und Umsetzung eines unternehmensinternen HR-Hackathons, den Überblick zu wahren und den Aufwand einzuschätzen. Bei einer detaillierten Konzeption eines Hackfests kann das leidige Thema der ewigen Suche nach geeigneten IT-Fachkräften beendet werden. Auf innovative und zwanglose Weise lassen sich neue MitarbeiterInnen finden.

Neuer Call-to-Action

:Digital RecruitingRecruitingtrends
Diesen Artikel weiterempfehlen