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Azubitrends 2019

Fabienne Lösch, 17.10.19, 10:00

Nicht nur bei den Fachkräften sondern auch bei den Azubis wird der „war for talents“ großgeschrieben. Die steigende Akademisierung, d.h. mehr Studienangebote und mehr Studierende, führen dazu, dass Ausbildungsberufe immer attraktiver gestaltet werden müssen.

Ein potenzieller Azubi steht vor der Wahl vieler Ausbildungsberufe, man könnte auch in diesem Kontext schon von einer Reizüberflutung sprechen. Und die Unternehmen ziehen von allen Seiten am Tau. Die Schere zwischen Ausbildungsangebot und tatsächlich besetzen Stellen scheint größer zu werden. Von 574.200 Ausbildungsplätzen blieben im vergangenen Jahr circa 10 Prozent unbesetzt.

Azubitrends 2019© pixabay

Spannend wird es, wenn man die Seite wechselt und die Perspektive der Personaler einnimmt. Trotz Kenntnis der jungen Zielgruppe wird vielfach noch an alten Traditionen festgehalten: Von der Anforderung an die postalische Bewerbung bis hin zu Formulierungen wie „tarifliche Bezahlung“. Die Frage ist doch eher: Wie viele Hürden nimmt ein junger Schüler auf sich, um sich bei einem bestimmten Unternehmen zu bewerben (= ‚Candidate Journey’) und was sind die ausschlaggebenden Gründe für ihn, sich bei Firma A zu bewerben und nicht bei Firma B? Welche ‚Kanäle’ bringen die junge Zielgruppe letztendlich auf meine Karriereseite und sorgen für eine gute Konversion?

Die u-Form Testsysteme GmbH hat 2019 hat in einer interessanten Studie die Azubitrends 2019 unter die Lupe genommen.

Befragt wurden sowohl Bewerber als auch die für die Ausbildung Verantwortlichen in Betrieben. Folgende Ergebnisse konnte die Studie liefern: Fast drei Viertel aller Jugendlichen wird mehr als ein Ausbildungsplatz angeboten. Vor einem Jahr waren es noch knapp 50 bis 60 Prozent – was das Überangebot an Berufen genauso wie den Bedarf der Betriebe nach Azubis verdeutlicht. Derzeit gibt es laut Berufsbildungsgesetz (BBiG) an die 330 gewerbliche bis kaufmännische Ausbildungsberufe. Was die Arbeitszeit anbelangt, so ist die Work-Life-Balance bereits hier ein wichtiges Kriterium für die Bewerber. deren Ansprüche stetig steigen – angefangen bei freien Wochenenden, über die Ablehnung von Schichtarbeit bis hin zu Mitarbeiterevents. Doch damit nicht genug: Das Geld muss natürlich auch stimmen. So streben fast 70 Prozent der Bewerber auf einen Ausbildungsplatz mit hohem Gehalt und/oder guten Karrierechancen. Wenig Aufwand, viel Geld und dazu auch noch eine Menge Freizeit also? Hinzu kommt der Fahrtweg zur Arbeit, der für fast 65 Prozent der Befragten nicht länger als 30 Kilometer sein sollte. Die Sicherheit des Jobs und die Übernahme sind für beide Seiten interessant.

Aus der Erfahrung meiner Kunden kristallisiert sich immer mehr die bedarfsorientierte Ausbildung heraus, bei der versucht wird die Azubis von Anfang an mit Bindungsmaßnahmen zu halten, um die Fachkräfte von morgen zu etablieren

Azubitrends 2019© pixabay

Auch die Deutschen Apotheker- und Ärztebank eG – kurz: apoBank – hat eine Studie zum Thema Ausbildungsmarketing und relevante Kanäle bei jungen Zielgruppen erstellt. Diese geht auf die Informationsquellen ein, in denen ein Schüler vorrangig nach potenziellen Ausbildungsberufen und -plätzen schaut. Ein weiteres Ergebnis: Circa 45 Prozent der Schüler ziehen eine Ausbildung nach der Schule in Erwägung – am liebsten in Branchen wie Medien und IT.

Das die Jungen tagtäglich ihr Smartphone nutzen, ist für niemanden mehr ein Geheimnis. Mit diesem Wissen ist es also sinnvoll, vor allem in Sozialen Netzwerken um Azubis zu werben richtig? Vorsicht – aber bitte zielgruppenorientiert!

Dazu gehört beispielsweise auch das zur Zeit sehr ‚gehypte’ Netzwerk „Tik Tok“, in dem jedoch Job- bzw. Ausbildungsangebote wegen des eher privaten Charakters der Online-Plattform nach landläufiger Meinung eher als störend wahrgenommen und empfunden werden. Demgegenüber sind Facebook, Instagram und Snapchat als boomende Plattformen auch für die Azubi-Akquise und für Employer Branding sehr relevant. Wegen des bestmöglichen Targetings im Web , dem hohen Dialogpotenzial sowie der ebenfalls hohen Reichweite stehen diese Online-Netzwerke im Vordergrund.

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Um nicht von kleinen Reichweiten zu sprechen, empfehle ich Ihnen paid advertising, denn die organischen Reichweiten der reinen Facebook-Unternehmensseiten gehen leider und ehrlich gesagt gegen 0. Auch die Einbettung von Bildern und Kurztexten in Jobangebote sind sehr willkommen bei der jungen Zielgruppe, da lange Textformate oft abschrecken und nicht durchgelesen werden – sofern nicht auf Anhieb Interesse geweckt wurde.

Eine Besonderheit: Der Traffic auf Instagram und Snapchat kommt überwiegend von mobilen Endgeräten – und kaum noch von Desktopt-PCs. Beachten Sie daher die passenden Formate und trauen Sie sich, die typisch konservative Bewerberansprache abzulegen. Orientieren Sie sich stattdessen besser am Stil und Ton der Sozialen Netzwerke, in dem Sie aktiv werden wollen. Facebook sei auf dem absteigenden Ast? Diese Aussage halte ich für ein Gerücht, denn die 23 Millionen aktiven deutschen Nutzer haben lediglich ihr Nutzungsverhalten verändert. Während bei Instagram überwiegend private und persönliche Postings online gehen, vergleicht man Facebook eher als Informationsplattform (Events, Jobs, etc.). Insbesondere für Jobangebote stellt Snapchat ein kostengünstiges Werbemedium dar lässt zudem einen größeren kreativen Gestaltungsspielraum zu. Damit ist dieses Netzwerk ebenfalls ein geeignetes ‚Tool’ zum Experimentieren.

Die Klassiker wie Google, Agentur für Arbeit und Webseiten wie Aubi-Plus, Azubi.de oder auch Azubiyo spielen bei der jungen Zielgruppe auch nach wie vor eine Rolle. Google und auch die Arbeitsagentur nehmen im Ranking die ersten beiden Plätze ein.

Events wie Ausbildungsbörsen, Berufsorientierungstage an der Schule und Bewerbertrainings sind bei Unternehmen dagegen leicht rückläufig. Face-to-Face-Interaktion wird noch von mehr als der Hälfte der befragten Schüler gewünscht, wobei hier vor allem der dahinter stehende schulische Druck ausschlaggebend ist. Wie viele Schüler kommen mit intrinsischer Motivation zu einer Fachmesse, durch die ganze Schulklassen an einem freigestellten Freitag geschleust werden um sich zu möglichen Ausbildungsberufen zu informieren? Dies variiert von Unternehmen zu Unternehmen und kann pauschal nicht beantwortet werden. Auffällige, bekannte Arbeitgebermarken mit guten Benefits können hier keinen Rücklauf prognostizieren.

Ein Faktor, der besonders aus der Befragung sticht, sind Imagefilme und Ausbildungsvideos. Hierbei erhält der Bewerber einen direkten Einblick in das gefragte Berufsbild und die Situation vor Ort. Die Zielgruppe nimmt Videos als sehr authentisch wahr und zieht dies dem Lesen einer Stellenanzeige vor. Weitere, vertiefende Hintergrundinformationen zu diesem Thema erhalten Sie in dem längeren Online-Beitrag „Mehr Kommunikationserfolg mit professionell produzierten Videos“.

Und zu allerletzt appelliere ich an die Ansprache der Bezugspersonen der jungen Schüler, die wichtigen Einfluss auf deren Werdegang haben bzw. nehmen – nämlich ihre Eltern, Lehrer, Bekannte und Verwandte.

Fazit

Azubis werden am besten mit einer ‚crossmedialen’ Ansprache zur Reaktion und Interaktion motiviert. Visuelle Wahrnehmung über die Sozialen Netzwerke oder bestenfalls auch Videos ist gefragt – gepaart mit klassischen Kanälen, die auch bei der älteren, ‚beeinflussenden’ Generation bekannt sind. Arbeitgebermarken, die bereits viel in Employer Branding investieren und somit bekannter sind, können die Stellenbewerbung gezielter und erfolgreicher angehen als unbekannte und vielleicht unvertraute Arbeitgeber.

Zu einem gelungen Perspektivwechsel auf die Seite der jungen Zielgruppe gehört eine junge, lockere Ansprache in Verbindung mit gefragten Benefits für die zu besetzende Stelle wie Work-Life-Balance, Gehalt, etc. Ihre Azubis werden nach der Übernahme ihre Fachkräfte von morgen sein. Beginnen Sie deshalb so rechtzeitig wie möglich zielgruppenorientiert und bindend zu arbeiten!

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